Zukunft Acryl

Andreas Freiler, Bereichsleiter für Technik, Produktion und Logistik Sun-Tex der Sattler AG im Interview mit dem RTS-Magazin über die Vorteile von Acryl und dessen Bedeutung für eine hochwertige Gewebeherstellung (10|2012)

„Acryl wird auch in Zukunft unschlagbar bleiben“

RTS: Herr Freiler, Sie leiten die Gewebeproduktion bei Sattler, was sind die größten Herausforderungen? Andreas Freiler: Um hochqualitative Gewebe zu produzieren, muss bereits bei der Auswahl der Rohstoffe die richtige Entscheidung getroffen werden. Dabei steht spinngefärbtes Acryl für Sattler an erster Stelle, die positiven Eigenschaften von Acryl, welche sich nun über viele Jahre bewährt haben, sind überzeugend. Unsere Acrylgewebe erfüllen die Anforderungen der DIN EN 13651 in allen Punkten, sehr hohe Wetter- und Lichtechtheit, sowie minimaler Festigkeitsverlust nach Alterung sind nur weitere Beispiele die für Acryl sprechen. Eine weitere große Herausforderung ist die Sicherstellung der sofortigen Lieferfähigkeit all unserer Qualitäten und Designs. Die diesbezüglichen Anforderungen an unsere Produktionsplanung und Logistik sind eine tägliche Aufgabe der wir uns stellen müssen. In der Praxis bedeutet dies, dass wir in der Hauptsaison eine Lieferverfügbarkeit von mehr als 99 Prozent haben. In der Priorität auf gleicher Stufe steht die Aufrechterhaltung des hohen Qualitätsniveaus. Qualität heißt hier insbesondere, dass unser extrem hoher Standard ständig reproduzierbar ist. Beste Ware darf kein Zufallstreffer sein, sondern wird bei uns ausnahmslos bei jeder Lieferung eingehalten.

RTS: Derzeit gibt es gerade im deutschsprachigen Raum Diskussionen bezüglich der geeignetsten Outdoorfaser. Wie ist Ihr Standpunkt in dieser Angelegenheit? Andreas Freiler: Grundsätzlich geht es nicht um die Frage nach der Faser an sich, sondern vielmehr darum, was das fertige Produkt leistet. Hier ist die Summe aller Vorteile bei Acryl sicherlich am höchsten. Polyester unterliegt einem deutlichen Festigkeitsverlust durch UV-Belastung. Dieser kann bis zu 50 Prozent der Ausgangsfestigkeit in relativ kurzer Zeit betragen. Damit wird ein in der DIN EN 13651 geforderter Punkt nicht erfüllt.

RTS: Ein Schlagwort ist die Reach-Verordnung. Wie handhabt Sattler als führender Gewebeproduzent diese Herausforderung? Andreas Freiler: Sattler hält sich natürlich strickt an die Vorgaben, die durch Reach an die Industrie und den Handel gestellt werden. Fakt ist, dass Sattler in allen Situationen die Auflagen von Reach erfüllt oder häufig auch noch übertrifft. Wenn Ihre Frage auf den Einsatz von Dimethylacetamid bei der Herstellung von spinngefärbten Acrylfasern abzielt, so kann ich bestätigen, dass Sattler die vorgegebene Grenze eines Maximalwertes von 0,1 Prozent an Gewichtsanteilen des Fertigproduktes weit unterschreitet und keinerlei Bedenken diesbezüglich angebracht sind. Für die Unbedenklichkeit von Acryl spricht der Einsatz im Möbelstoffbereich, in der Automobilindustrie und vor allem auch bei der Bekleidung. Wäre Acryl gesundheitsgefährdend, würde man sicher keine Acrylstoffe im Kleiderschrank finden.

RTS: Können Sie uns etwas zum Recycling von PES und Acryl sagen? Was plant Sattler hier für die Zukunft? Andreas Freiler: Hier ist zu bedenken, dass es in den wenigsten Fällen einen organisierten Rückfluss von gebrauchten Textilien gibt. Textilien landen im Allgemeinen in Altstoffsammelzentren vollkommen vermischt. Ein mechanischer Recyclingprozess ist in gleicher Weise bei Acryl wie bei Polyester möglich, wobei das recycelte Acryl qualitativ ein höherwertiges Produkt ergibt als Polyester, da eine deutlich geringere Schädigung der Fasern durch UV Bestrahlung während des Gebrauchs erfolgt ist, wenn die Stoffe als Markisenstoffe im Outdoorbereich zum Einsatz gekommen sind.

RTS: Vielen Dank für das Gespräch!

Foto